Metti una sera di cena - MUSAC

November 2013

Ein verlängertes Wochenende in Berlin stand an und da wir momentan vom Supper Club-Fieber angesteckt sind, konnten wir es uns natürlich nicht entgehen lassen, nach einem Supper Club in der deutschen Supper Club-Hauptstadt Ausschau zu halten...

Bald wurden wir auch fündig, denn der italienische Supper Club "Metti una sera di cena" - kurz: MUSAC - bot für Freitag, den 08.11.2013 ein Secret Dinner an. 

Die Reservierung erfolgte völlig unkompliziert über die Wordpress-Blogseite der beiden sympathischen Betreiber - einem italienischen, jungen Künstler-Paar, welches seit 2010 in der Hauptstadt lebt und arbeitet.

Da Chiara und Marco kaum deutsch sprechen, mußte ich wieder mal aus den hintersten Ecken mein mehr schlechtes als rechtes Schulenglisch auskramen. Mittlerweile wird mein Englisch -glaube ich- aber ein bißchen besser, so dass neben dem immer wieder netten sozial-kommunikativen Faktor und dem meist absolut tollen Essen noch ein weiterer Mehrwert durch den Besuch von Supper Clubs spürbar wird :-). Absolut weiterzuempfehlen und Daumen hoch!

Am Donnerstagabend - also einen Abend vor dem Supper Club-Dinner bei Chiara und Marco - waren wir bereits in Berlin und saßen ein bißchen wie auf glühenden Kohlen, weil wir zwar ca. 1 Woche vorher noch bestätigen sollten, dass wir auch kommen und uns mitgeteilt wurde, dass wir dann einen Tag vorher benachrichtigt würden, wo wir um welche Uhrzeit hinkommen sollen und welches Menü es geben würde, aber dann bis Donnerstag abends noch keine Info-mail bei uns angekommen war...

Da macht sich dann wieder meine altbekannte Ungeduld breit - oder auch die diffuse und angespannte "Angst", dass irgendetwas schiefgelaufen sein oder ich etwas verpasst haben könnte....  Schrecklich - ich weiß ;-).... Ich mag ja selbst so unentspannte Menschen nicht wirklich. Aber manchmal kommt man eben nicht aus seiner Haut...

Aber es hat ja alles geklappt! Als wir am Abend mit meinem Bruder auf ein Bierchen ins "Hops & Barley" in Friedrichshain gegangen waren, schrieb ich doch eben mal eine Nachfrage-mail. Und wie es der Zufall so will, machte es direkt nach Versenden "pling" und mich erreichte die Info-mail von Chiara und Marco, die sie zufälligerweise nahezu zeitgleich versandt haben mußten - witzig!

Vor der Haustür im mittlerweile schon nicht mehr ganz so trendigen Prenzlauer Berg - Kiez trafen wir pünktlich am Freitag also um 20 Uhr zwei sehr sympathische und aufgeschlossene Berlinerinnen und stellten erleichtert fest, dass wir an diesem Abend wohl nicht die einzigen sein würden, die Deutsch sprechen und verstehen. Wir tauschten uns schon einmal ein bißchen aus und als sie erfuhren, dass wir aus Köln kommen, gab es den ein oder anderen schönen Tipp, was wir in Berlin noch so alles machen könnten (auf diesem Wege übrigens ganz liebe Grüße an Euch beide: wir waren am Samstag im Fichtebunker in Kreuzberg und haben die Führung der Mitarbeiter des tollen Berliner Unterwelten e.V. sehr genossen! Wirklich empfehlenswert!!!)

Wir wurden sehr herzlich von Chiara empfangen und fühlten uns in ihrer Altbauwohnung direkt wohl. Marco drückte uns schon mal den Aperitif in die Hand - einen süffigen mit Mangosaft versetzten Wodka auf Eis im Tumblerglas.

Und dann kamen nacheinander auch die anderen Gäste des Abends:

ein Paar in unserem Alter, welches mit uns sofort bei dem Thema "Wein" eine ähnliche Wellenlänge verband und welches sich eventuell auch überlegt, einen Supper Club mit Schwerpunkt "Wein" in Berlin zu etablieren (wir kommen gern :-), bitte gebt uns unbedingt bescheid!), 2 kulinarisch sehr aufgeschlossene Frauen mit spannenden "Reise"-Berufen, die ursprünglich aus Wien und der Nähe von Wien stammen und sich in Brüssel kennengelernt hatten, als sie beide beruflich dort waren - nun wohnt die eine in Berlin und die andere ist für ein Weilchen dort zu Besuch, lebt aber seit kurzem wieder in Wien - und 2 englischsprachige Frauen aus London. Ich hatte ja bereits schon einmal erwähnt, dass London die europäische Supper Club-Hauptstadt ist, weil dort in Europa alles angefangen hat. Erstaunlicherweise waren wir die einzigen Gäste an diesem Abend, die schon einmal ein Supper Club-Dinnermenü mitgemacht hatten. Wir waren sehr positiv beeindruckt von den tollen, kommunikativen MitgästInnen (wer hatte nochmal gesagt, dass SupperClub-Besucher vorwiegend weiblich sind? Es hat sich wieder einmal bestätigt... Wo bleiben nur die Herren der Schöpfung, die mal nicht mitgebracht werden? ;-) Traut Euch! Es lohnt sich!) und hatten wieder einmal mehr einen wunderschönen, gesprächsintensiven Abend mit völlig unbekannten Menschen, mit denen wir sehr gerne unsere kulinarischen Eindrücke des Menüs geteilt haben.

Auf dem Menüplan von Chiara und Marco stand für den 08.11.2013 Folgendes:

 

Insalatina autunnale con mela verde, prosciutto crudo di parma DOP, caprino e nocciole

Autumn salad with green apple, raw Parma ham, goat cheese and hazelnuts

Dieses Gericht war sehr künstlerisch auf Schiefernplatten angerichtet und war ein guter Auftakt. Der Wildkräutersalat mit den Apfelspalten, dem Parmaschinken, kleinen Ziegenfrischkäsenocken und Blütenverzierung war nett anzuschauen und hat gut geschmeckt.

Lasagna fatte in casa con radicchio e fave di cacao, pancetta croccante

Homemade Lasagne with radicchio and cacao nibs, crispy bacon

Die hausgemachte Lasagne war gefüllt mit Radicchio in cremiger Soße und zusätzlich noch mit Kakaobohnen gewürzt - eine interessante Variante, die ich so noch nicht gegessen habe. Da sowohl der Radicchio als auch der Kakao von Natur aus recht kräftige Bitternoten haben, war es mir persönlich aber ein bißchen zu bitter. Eine süßliche Komponente wäre hier vielleicht ein guter Gegenpol gewesen, der das Gericht etwas harmonisiert hätte.

Gelato al Gorgonzola DOP con marmellata di pere e cipolle fatta in casa

Gorgonzola Ice Cream and pear and onion homemade jam

Das Gorgonzolaeis auf Birnen-Zwiebel-Marmelade war unser persönliches Highlight! Es wurde in einem winzigkleinen Suppentellerchen mit Rand (von der Füllgröße nicht viel größer als ein Eierbecher) serviert - zu sehen war von oben leider nur das Eis (siehe Foto), die angekündigte Birnen-Zwiebel-Marmelade war darunter - und schmeckte überraschend lecker!

Baccala´in Zimino

Tipical recipe of Liguria - Cod fillet served with spinach and garlic sauce

Auch wenn wir dem Namen nach hier Stockfisch vermutet haben, wurde mir von Chiara auf meine Nachfrage hin bestätigt, dass es sich hier nur um kleine in so etwas ähnlichem wie feinem asiatischem Panko panierte und ausgebackene Kabeljaustückchen handelte. Der Spinat war als Pürrée malerisch auf den Tellern verteilt. Zusätzlich gab es Croutons, die mit schwarzer Tintenfischfarbe eingefärbt waren und Knoblauch-Olivenöl. Das Gericht war stimmig und schmackhaft.

Tortino al Cioccolato Fondente con Salsa di Ananas

Bitter Chocolate Cupcake with Ananas reduction

Als Dessert gab es ein lauwarmes Schokoladenküchlein (ohne flüssigen Kern) auf Ananassoße verziert mit Blütenzucker (von getrockneten Blüten). Es sah wieder mal sehr gut aus und war ein gelungener Nachtisch - Schokolade geht ja nun irgendwie immer :-).

Petit four and (moka) caffe or tea

Zum abschliessenden Kaffee oder Tee gab es noch nette kleine runde Mürbteigkekschen aus Nussmehl, die wie Macarons in der Mitte gefüllt waren, hier mit Schokoladencrème. Schön und lecker!

Nach getaner Arbeit setzten sich Chiara und Marco noch zu uns, sodass wir auch die Gelegenheit bekamen, uns mit ihnen zu unterhalten. Beide unsere Gastgeber stammen aus Venetien - Chiara aus Venezia (Venedig) und Marco aus Vicenza. Sie haben zwei niedliche, 2-jährige, braune Kurzhaar-Dackel-Jungs, die am Ende des Abends die "Stars" waren, als sie endlich raus durften, um die Gäste zu begrüßen :-) Und wir bekamen ein bißchen davon mit, dass es als Künstler in Berlin nicht wirklich einfach ist, Geld zu verdienen, weil es doch sehr viele Künstler -oder solche, die sich nur so nennen- gibt. Wir gehen fest davon aus, dass sich Chiara und Marco durch ihre Supper-Club-Abende ein bißchen Geld dazuverdienen müssen. Dies würde auch den im Verhältnis zu dem, was wir in Köln bereits in anderen (von der Produktqualität und Umsetzung her erstaunlich hochwertigen!) Supper Clubs erlebt haben, recht hohen Preis für die "5" Gänge erklären. Wir zahlten 45,- € pro Person und haben uns unsere Getränke - sprich Weine - selbst mitgebracht.

Es war ein rundum schöner Abend und wir bleiben einfach dabei: wir sind Supperclub-Fans !!!!!

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Hier könnt Ihr Euch über den Supper Club Metti una sera di cena von Chiara und Marco informieren und auch gleich zum nächsten Termin anmelden:

http://mettiunaseraacena.wordpress.com/

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